Sonntag, 10. November 2013

Was haben Haarfarbe und Massenmörder gemeinsam?

Das haben wir uns auch gefragt, nachdem ein oder zwei Tage nach Anders Behring Breiviks Attentat auf der norwegischen Insel Utöya diverse Zeitungen, dabei einen Vernehmungsbeamten des Attentäters zitierend, titelten:


„Blond, blauäugig, eiskalt“ - Augsburger-Allgemeine - 24.07.2011


Die BILD scheute sich nicht einmal, nachdem Breivik die Tat zugegeben hatte vom "... unfassbaren Geständnis des blonden Teufels" zu schreiben oder um mit Herrn Franz Josef Wagner (ebenfalls BILD) vom 25.07.2011 zu sprechen:

„Sie sind ein nordischer Psycho. Blond, blaue Augen, keine Drogen, keine Tattoos, Bodybuilder, Jogger, 1,82 Meter, ...“

Journalismus nach "Stürmer"-Art

Political correct ist das nicht unbedingt. Nicht wegen der Beschreibung „blond, blaue Augen“, auch nicht wegen Psycho. Das „nordische Psycho“ gibt einen gewissen Anklang an den alten Popanz von der „blonden Bestie“. Aber Herr Wagner hat das auch sehr geschickt gemacht. Denn man denkt zuweilen auch mal an die Bedeutung „skandinavisch“ in dem Wort „nordisch“.

Wir alle sind uns ja bewusst, wer der Täter war, wie er aussah, welche Motive er hatte. Aber dass wirklich sehr viele Zeitungen recht ähnlich titelten lässt die Vermutung offen, man wollte hier den alten Popanz von der „blonden Bestie“ bedienen. War dies auch nicht sonderlich schwer, wenn man den Tathintergrund kennt, der offenbar nur allzugerne mit blonden Menschen assoziiert wird.

Wie immer möchten wir unsere Leser dazu aufrufen, die verschiedenen Worte, die uns hier empfindlich aufstoßen, gedanklich durch diskriminierende Worte anderer Ethnien, Religionen, Gruppen, Minderheiten zu ersetzen. Verspüren Sie dabei eine Hemmung, dann können Sie ungefähr ermessen, wie es uns geht, aber auch, wo wir offensichtlich stehen.

Was also haben Haarfarbe und Massenmörder gemeinsam? – Offenbar das Schubladendenken der doch nicht so political correct schreibenden Zunft.

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